„Hilfe, das Lehrerzimmer brennt“ - Medienkonferenz der Innerschweizer Lehrerinnen- und Lehrerorganisationen
Die Lage ist dramatisch. Wenn die Zentralschweizer Kantone keine Klassenzimmer ohne Lehrpersonen riskieren wollen, muss gehandelt werden. Das halten die Lehrerinnen- und Lehrerverbände der Kantone Luzern, Uri, Schwyz, Nidwalden, Obwalden und Zug in ihrem ersten gemeinsamen Auftritt unmissverständlich fest. Und sie zeigen Lösungswege auf.
„Der drohende Personalmangel an den Schulen liegt fast wie eine Aschenwolke über dem Bildungsraum Zentralschweiz“, sagte René Villoment, Zuger Lehrer und Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbands Schweizer Lehrpersonen LCH an der Medienkonferenz. Doch die Ursache für den Personalmangel liessen sich nicht in einem einzigen Vulkanausbruch lokalisieren. Die Problematik sei vielschichtig und habe sich über Jahre entwickelt. „Es ist höchste Zeit für eine massive Kurs-Korrektur.“
Lehrpersonen haben tiefe Löhne
Die Zentralschweizer Lehrerinnen und Lehrer sprachen an der Medienkonferenz Klartext zu den zentralen Problembereichen. Zum Beispiel die Löhne: „Die Besoldung der Lehrpersonen muss sich den Löhnen für vergleichbare Arbeit in der Privatwirtschaft angleichen“, sagte Tumasch Cathomen, Reallehrer und Präsident der Lehrerinnen und Lehrer Uri. Gemäss einer Lohnvergleichsstudie von PricewaterhouseCoopers liegen Lehrer-Saläre zwischen 8,4 und 85,7 Prozent tiefer als entsprechende Jobs in der Privatwirtschaft.
Flucht in die Teilzeit
Eine anderes Kernproblem ist die enorme Erwartungshaltung und Belastung. Die Folge sei eine besorgniserregende Flucht in die Teilzeitarbeit. „Der Lehrerberuf soll aber auch als Vollpensum leistbar sein“, so Thomas Pfiffner, Primarlehrer und Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Kanton Zug. Die reale Unterrichtszeit sei seit Jahren etwa gleich. Zusätzliche Aufgaben wie beispielsweise Unterrichts- und Schulentwicklung stellten jedoch eine enorme zeitliche Belastung dar. Die klare Forderung deshalb: „27 Unterrichtslektionen für alle Lehrpersonen.“
Keine Verwässerung in der Qualität der Ausbildung
Ganz besonders sorgen sich die Zentralschweizer Lehrpersonen um den Nachwuchs. In den nächsten zehn Jahren geht fast ein Drittel der heutigen Lehrerinnen und Lehrer in Pension. „Es darf aber deshalb nicht zu einer Verwässerung der Zulassungsbedingungen führen. Die Qualität der Ausbildung muss hoch bleiben“, sagte Stefan Joller, Oberstufenlehrer und
Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbands Nidwalden. Von der Politik wird eine langfristige Planung des Stellenmarkts verlangt. Öffentliche Arbeitgeber werden aufgefordert, durch attraktive Berufsperspektiven für geeigneten Nachwuchs zu sorgen.
Trotz allem: Das Feuer der Leidenschaft brennt
„Die Lage ist ernst“, fasste Annemarie Bürkli, Primarlehrerin und Präsidentin des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands die Situation zusammen. Doch trotz kritisieren, reklamieren und postulieren bleibe der Unterricht der Kern ihrer Aufgabe. „Und hier liegt eine wahnsinnige Leidenschaft, die uns nicht abhanden gekommen ist.“ Lehrerinnen und Lehrer sind mit ihren konkreten Forderungen an die Öffentlichkeit gegangen, damit dies auch in Zukunft so bleibt.
Die drei zentralen Forderungen
Löhne und Karriere: Die Löhne müssen massiv steigen. Die Besoldung der Lehrpersonen muss sich den Löhnen für vergleichbare Arbeit in der Privatwirtschaft angleichen.
Arbeitszeit und Berufsauftrag: Die „Flucht in die Teilzeit“ muss gestoppt werden. Der Lehrerberuf soll auch als Vollpensum wieder leistbar sein. Das bedeutet: Es braucht einen erfüllbaren Berufsauftrag, und für das Kerngeschäft Unterricht muss genügend Zeit zur Verfügung stehen.
Nachwuchs und Ausbildung: Der Mangel an Lehrpersonen darf nicht zu einer Verwässerung der Zulassungsbedingungen für den Lehrberuf oder an der PHZ führen. Das bedeutet: Die Qualität der Ausbildung muss noch bleiben.